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Die legendäre Geldbeutelwäsche

Toni Bernd Schlack
📅 05/03/2025  ·  ⏱️ 3 Min. Lesezeit  ·  💬 0 Kommentare

Die legendäre Geldbeutelwäsche – Wenn die Narren das letzte Bisschen Hoffnung ausspülen

Die Fasnet ist vorbei. Die Konfetti-Kanonen sind verstummt, der letzte Krapfen gegessen, und das Narrenkleid liegt erschöpft in der Ecke. Zurück bleibt nur ein Kater – und ein schockierender Blick in den Geldbeutel: gähnende Leere. Doch statt Trübsal zu blasen, haben findige Narren eine Tradition entwickelt, um den Schaden zu minimieren: die Geldbeutelwäsche!

Warum waschen die Narren ihren Geldbeutel?

Die Geldbeutelwäsche ist ein uralter Brauch, der am Aschermittwoch von vielen Narrenzünften in Baden-Württemberg, Bayern und der Schweiz zelebriert wird. Die Idee dahinter ist simpel: Nach einer ausgiebigen Fasnet, bei der das letzte Hemd und das letzte Münzstück draufging, wird der Geldbeutel symbolisch gereinigt – in der Hoffnung, dass er sich im kommenden Jahr wieder füllt.

Die Ursprünge des Brauchs sind nicht eindeutig belegt, aber der Gedanke ist klar: Wer seinen Geldbeutel reinwäscht, wird im nächsten Jahr nicht wieder völlig blank dastehen. Zumindest in der Theorie. Praktisch bleibt die finanzielle Erholung aber meistens den Steuererklärungen und der nächsten Lohnabrechnung überlassen.

Wo wird der Geldbeutel gewaschen?

Zahlreiche Narrenzünfte in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht halten an dieser skurrilen Tradition fest. Hier einige bekannte Beispiele:

1. Narrenzunft Villingen (Schwarzwald)

In Villingen wird der Geldbeutel alljährlich feierlich am Brunnen auf dem Münsterplatz gewaschen. Der Zunftmeister hält eine ergreifende Rede über das finanzielle Elend der Narren, bevor die Zunftoberen ihre klammen Beutel ins kalte Wasser tauchen – unter dem Applaus der letzten hartgesottenen Fasnets-Veteranen.

2. Narrenzunft Rottweil

Hier geht es ebenfalls feuchtfröhlich zu, wenn die Geldbeutel traditionell am Schwarzen Tor gewaschen werden. Begleitet von schaurig-schönen Klägen über die „armen Seelen, die ihr letztes Geld versoffen haben“, wird in Rottweil auch gerne mal ein Schnaps als Trost gereicht – schließlich hilft Alkohol gegen Kummer.

3. Narrenzunft Überlingen

Am Ufer des Bodensees versenken die Narren nicht nur ihre Geldbeutel, sondern gleich ihre ganze Hoffnung auf finanzielle Stabilität. Bei Wind und Wetter wird hier das Wasser des Sees zur rituellen Reinigung genutzt – manchmal inklusive mutiger Narren, die vor lauter Frust gleich hinterherspringen.

4. Zunft der Stockacher Hansel

In Stockach wird nicht nur der Geldbeutel gewaschen, sondern vorher auch eine „Generalabrechnung“ der Fasnet durchgeführt. Dabei ziehen die Narren Bilanz: Wieviel Geld ist verschwunden, wieviel Promille wurden intus gehabt – und wieviel Blamagen sind hängengeblieben? Erst danach folgt der Gang zur Waschung.

Humorvolle Interpretation des Brauchs

Der wahre Grund, warum die Geldbeutel gewaschen werden? Damit man sich beim Blick hinein nicht so erbärmlich fühlt. Man kann sich dann wenigstens sagen: „Der ist nicht leer, sondern frisch gereinigt!“ Ein Klassiker unter den Fasnets-Selbstlügen, gleich hinter „Nächstes Jahr gebe ich weniger aus“.

Doch trotz des leeren Portemonnaies ist die Fasnet mit all ihren Feierlichkeiten, Bräuchen und Freundschaften unbezahlbar. Und wenn der Geldbeutel frisch gewaschen ist, dann bleibt doch ein Funken Hoffnung, dass sich das Konto bis zur nächsten Fasnet wieder erholt.

Bis dahin gilt: „S’ goht dagege!“ (Es geht wieder los!) – wenn auch erstmal ohne viel Kleingeld.

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Toni Bernd Schlack
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