Für Kinder ab 5 Jahren · Lesezeit: ca. 4 Minuten

Am nächsten Abend wurde es ungewöhnlich schnell dunkel. Nebel zog zwischen den Bäumen hindurch, und Elli Eichhörnchen konnte kaum noch den nächsten Ast erkennen. Da hörte sie ein leises Schnauben unter einer Wurzel.
„Miro, bist du das?“, rief Elli. „Ich wollte zu meiner Höhle“, antwortete der Igel, „aber im Nebel sehen alle Wege gleich aus.“ Elli dachte an den warmen Lichtschein im Fenster der alten Försterhütte. Vielleicht konnte ein kleines Licht helfen.
In der Hütte wohnte niemand mehr, doch am Fenster stand eine winzige Laterne. Ihre Kerze war längst ausgebrannt. Elli fand ein Stück glänzende Birkenrinde, und Miro brachte trockenes Gras. Frau Amsel kam dazu und legte ein Leuchtkäferchen vorsichtig in ein Glas mit vielen kleinen Luftlöchern.
„Wir tragen es nur ein Stück und lassen es gleich wieder frei“, erklärte Frau Amsel. Das Leuchtkäferchen blinkte freundlich. Sein Licht war nicht groß, aber es zeigte den Weg zu den moosigen Steinen, dann zur umgestürzten Buche und schließlich zu Miros Höhle.
Unterwegs trafen sie eine junge Maus, die ebenfalls nicht wusste, wo sie war. Jetzt gingen sie zu viert. Elli lief voraus, Miro achtete auf den Boden, Frau Amsel zeigte die Richtung, und die Maus kannte eine Abkürzung durch einen trockenen Blättertunnel.
Als sie angekommen waren, öffneten sie das Glas. Das Leuchtkäferchen flog hoch in die Nebelwolke und blinkte noch dreimal. „Danke für das Licht“, sagte Miro. „Manchmal reicht ein kleines Zeichen, damit niemand allein bleiben muss“, sagte Elli.
Am nächsten Morgen war der Nebel verschwunden. Auf einem Ast über Miros Höhle lag ein neuer Wegweiser aus Rinde: Hier geht es nach Hause. Elli wusste: Gute Freunde zeigen einander nicht nur den Weg. Sie gehen ihn auch gemeinsam.
Diese Geschichte ist eine kreative, fiktive Erzählung.